Wegen der niedrigen Milchpreise fordert der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter wieder ein Quote. Der Genossenschaftsverband hofft aber auf eine Regelung durch den Markt.
Eine Sammlung von Infos und Links zum Thema Agrarpolitik abseits des Mainstream
Donnerstag, 13. August 2015
Video - Milchbauern auf den Barrikaden
Für die Milchbauern im Norden sieht es momentan sehr schlecht aus und in Rendsburg gingen sie deshalb am heutigen Mittwoch auf die Barrikaden. Bauern dürfen jetzt zwar so viel Milch produzieren, wie sie wollen, doch das führt zur Zeit zu Dumpingpreisen in den Supermärkten. Gerade einmal 27 Cent gibt es für den Liter. Zu wenig zum Überleben, beklagt auch Bauer Matthias Kühl aus Bokel.
Video - Demo in Rendsburg
Eigentlich sollte sich der Markt selbst regulieren, doch inzwischen gibt es einen so großen Überschuss, dass die Preise komplett im Keller sind. Heute hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter in Rendsburg demonstriert. Doch für viele Bauern kommen die Proteste zu spät. Wir haben mit Landwirt Carsten Lück aus Osdorf gesprochen, der seinen Hof aufgeben muss.
Herz: 30 Cent sind zu wenig
Die Diskussion mit einigen Bauern aus Oberstaufen zeigte, dass die „Freiheit" nach dem Ende der Produktionsdeckelung durch die sogenannte Milchquote nicht für alle Milcherzeuger gleichermaßen gilt. Betriebe, die jetzt ohne Begrenzung Milch produzieren können, versuchen, die niedrigen Erlöse durch Mengensteigerung auszugleichen. Mit der Folge: es ist mehr Milch auf dem Markt denn je. „Jetzt ist die Politik gefragt!", sagt Herz. Milcherzeugung müsse kostendeckend sein; diverse Ausgleichszahlungen seien keine Lösung. Noch vor wenigen Wochen habe der Bundeslandwirtschaftsminister gemeint, er „verstehe die ganze Aufregung nicht". Herz kann da nur den Kopf schütteln.
Rund zwei Dutzend Bauern in der Vulkaneifel denken ans Aufhören
Der Bauernverband Daun schlägt Alarm: "Im Moment spielen etwa zehn Prozent unserer 250 Haupterwerbslandwirte im Kreis mit dem Gedanken, ihren Betrieb aufzugeben. Und darunter sind einige richtig große Betriebe."
Milchpreise: "Nicht weit vom Mindestlohn"
Blessing plädiert für eine sogenannte flexible Mengensteuerung, vereinfacht formuliert also dafür, die Milchmenge, die erzeugt wird, der Nachfrage anzupassen, um einen höheren und stabileren Preis zu erreichen. "Was ich nicht verstehe, ist dass der Bauernverband diese Steuerung anstelle der Milchquote abgelehnt hat, jetzt aber rumjammert, dass der Milchpreis so niedrig ist." Dass dieser ohne Regulierung sinke, "war doch so sicher wie das Amen in der Kirche".
Fallende Preise bedrohen Milchbauern in SH
„Die staatliche Regulierung der Milchproduktion hat 30 Jahre lang nicht funktioniert", sagt Lucht mit Blick auf die im April weggefallene Milchquote. Vielmehr müsste der niedrige Preis mit einer vorübergehend höheren Produktion und einer Kostenoptimierung in den Betrieben ausgeglichen werden. Gemeinsam mit dem Genossenschaftsverband hat der Bauernverband eine Erklärung an Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verfasst, in der unter anderem zinsgünstige Liquiditätsdarlehen und die Schaffung einer steuerlichen Rücklagemöglichkeit gefordert werden.
Mittwoch, 12. August 2015
In den Ställen liegen die Nerven blank
Milchbauern kündigen massive Proteste an, weil sie sich durch die fallenden Preise in ihrer Existenz bedroht sehen – Protestfahrt auch in Waldbröl am 25. August. „Die anhaltende Verweigerung der Bundesregierung und des Agrarministeriums die aktuelle Krise überhaupt anzuerkennen oder über neue Kriseninstrumente auch nur nachzudenken, führt die Milchviehbetriebe in den Ruin. Das reicht jetzt. Zukunft bedeutet Handeln", schimpft Braun.
Video: Britische Farmer führen zwei Kühe durch Supermarkt
Die Proteste der britischen Milchbauern werden medienwirksam inszeniert: Am Wochenende wurden zwei Kühe durch einen Asda Supermarkt geführt zusammen mit rund 70 Demonstranten.
Fusion DMK / DOC Kaas nicht genehmigt
DOC Kaas hat den Milchpreis für Juli auf 24,24 Cent gekürzt, 1 Cent weniger als im Juni. Damit liegt die Auszahlung auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Die Fusion mit DMK ist aktuell nicht von Brüssel genehmigt worden.
Milchpreis macht Landwirte sauer
Die Lage für die Milchbauern ist katastrophal. „Sie stellt sich zur Zeit noch schlechter dar als noch 2009", sagt Helge Dieckmann, Geschäftsführer der Brunower Agrargenossenschaft. Er ist davon überzeugt, dass sich die Molkereien von den großen Handelsketten erpressen lassen. Ein Großteil der Landwirte ist aufgrund ihrer Mitgliedschaft in Molkereigenossenschaften gezwungen, ihre gesamte Milch an diese zu liefern, ohne zu wissen, welchen Preis sie dafür bekommen. Dieser Zustand sei so nicht haltbar. „Die Molkereien wollen es auch gar nicht", ärgert sich Dieckmann. „Es gibt ja noch die Bauern, auf die man den Kostendruck abwälzen kann.
Keine Milchkrise in Südtirol
Laut Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes, ist Südtirols Milchwirtschaft trotz Wegfall der Milchquoten in einer stabilen Lage. Vor allem da der Druck vom italienischen Markt aktuell sehr gering ist. In Ländern wie Frankreich, Deutschland und Österreich ist die Situation deutlich anders. Bei uns gibt es deshalb noch keine großen Auswirkungen aufgrund der Abschaffung der Milchquote. In anderen Ländern hingegen spürt man diese durchaus.
Dienstag, 11. August 2015
Milchviehhalter kritisieren "agrarpolitische Geisterfahrer"
"Wir Milchviehhalter wollen, dass der Bauer endlich vom Ertrag seiner Hände Arbeit und nicht von den EU-Zuschüssen leben kann", forderte der Vorsitzende des BDM-Kreisverbandes Freyung-Grafenau, Albin Gigl. Kein gutes Haar ließ er an Horst Seehofer, der auf einen "Brandbrief" des BDM zum Thema Milchpreis noch nicht geantwortet habe. Aber auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bekam sein Fett weg, denn Gigl fragte sich, ob dieser etwa gar nicht mehr Minister sei, weil man nichts höre. Harsche Kritik übte Leis auch am Bauernverband, der sich bei der Unterstützung der Milchviehhalter sehr zurück halte.
Europäischer Bauernverband COPA stellt rapide Verschlechterung des Milchmarktes fest
„Der Markt ist in einem sehr viel gefährlicheren Zustand als noch vor 4 Wochen, da die Erzeugerpreise jetzt weit unterhalb der Produktionskosten liegen. Für viele Milchbauern in ganz Europa ist die Lage kritisch, und es kommt landauf, landab zu Demonstrationen", betonte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Milch" von Copa-Cogeca, der Brite Mansel Raymond.
Französische Molkereien zahlen höhere Milchpreise
Während sich vor allem französische Erzeuger über saisonale Zuschläge freuen konnten, wurde anderenorts das Milchgeld weiter gekürzt. Bei Bongrain stieg das Milchgeld um 2,0 Cent auf 34,0 Cent/kg; Danone zahlte mit 33,1 Cent/kg den Lieferanten 0,9 Cent mehr Geld, und Sodial hob den Milchpreis um 0,2 Cent auf 32,2 Cent/kg an. Anders sah dies laut LTO in Deutschland bei den Molkereien Deutsches Milchkontor (DMK) und Alois Müller aus, die ihre Auszahlungsleistung gegenüber Mai um jeweils 1,0 Cent auf 28,2 Cent/kg beziehungsweise 27,6 Cent/kg kürzten. Das DMK will im Juli den Preis erneut um 1,0 Cent senken.
Höfesterben ist anderswo viel dramatischer
Die Landwirte im Kreis Kleve, auch in Rees, dürfen hochzufrieden sein mit ihrem Standort – gerade mit Blick auf Bodenbeschaffenheit, Infrastruktur, Klima, die Wachstumsbedingungen. „Das sind hier wirklich paradiesische Voraussetzungen für Landwirte. Auch wenn sie wegen vieler Rahmenbedingungen, etwa der Entwicklung des Milchpreises, ziemlich kämpfen müssen", findet der Chef der Landwirtschaftskammer Rheinland in Kleve, Dr. Franz-Josef Stork. Die Zukunftsaussichten für die 137 Gehöfte in Rees seien jedenfalls gut.
Österreichs Milchbauern werden sauer
Anstatt für weitere Marketingaktionen Geld auszugeben, sollte der Umstieg auf biologische Milchkuhhaltung gefördert werden, so Grünen-Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber. Mehr Biomilch fordert Pirklhuber deshalb, weil die Preise in diesem Segment höher sind. Dass der Milchpreis immer stärker unter Druck gerät und Angebot und Nachfrage in der EU in keinem Gleichgewicht sind, dessen ist man sich in der Landwirtschaftskammer (LWK) bewusst.
Landwirte fühlen sich "alleine gelassen“
Laut Armin Müller, dem Vizepräsidenten des Hessischen Bauernverbandes und Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, nimmt die Situation für die heimischen Landwirte immer dramatischere Züge an. Müller forderte die Politik auf, für Vorratshaltung zu sorgen. "Man sollte Milchpulver und Butter einlagern und dann in Zukunft wieder auf den Markt geben", sagte er. Zudem solle Politik eine Risikoausgleichsrücklage einrichten. Es müsse Fleisch vom Markt genommen werden und in Länder exportiert werden, wo Hunger herrsche.
SH: Gülle-Proteste vor Discountern
Ärger um Dumpingpreise: Milchbauern kippten gestern Fäkalien und Milch vor die Aldi-Märkte in Nahe und Kisdorf. Ausgegossene Gülle, Milch und Stroh unterstreichen den stummen Protest auch vor dem Discounter in Nahe. „Das ist nur der Anfang. Wir wollten die Verbraucher auf unsere miese Situation hinweisen“, sagt Landwirt Andreas Scherrer.
BBV: Mit dem Rücken zur Wand
Der Preisverfall bei Milch und Fleisch bereitet den Verantwortlichen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Tirschenreuth große Sorgen. Mit einem Sechs-Punkte-Forderungskatalog will der Bayerische Bauernverband den aktuellen Tendenzen entgegensteuern: Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen, Einführung einer Liquiditätshilfe auf Bundesebene, Möglichkeit zur steuerlichen Risikovorsorge, schnelle und effiziente Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels, Rückfluss von Abzügen im Milchbereich an die Milcherzeuger sowie die Sicherstellung der Auszahlung der diesjährigen Betriebsprämie bis Dezember.
Montag, 10. August 2015
Neuseeländische Bauern bekommen die Marktlage auch zu spüren
Wie Fonterra am Freitag mitteilte, können die Milchbauern in der laufenden Saison 2015/16 nur noch mit einem Basispreis von 2,32 Euro pro Kilogramm Milchfeststoff rechnen; Ende Mai waren den Erzeugern noch 3,16 Euro in Aussicht gestellt worden. Der Vorsitzende gab bekannt, dass die Molkerei ihren Erzeugern zweijährige zinsfreie Kredite als Liquiditätshilfen anbieten werde.
Die Bauern und das liebe Milchvieh
„In der Eifel hat sich jetzt wieder einer erhängt", sagt Karl-Otto Vollrath. Dies sei ein Milchbauer mit etwa 300 Kühen gewesen, der sich auch einen großen Kredit genommen habe. Welche Gründe es noch gab, ist nicht bekannt. Klar ist, dass die meisten Milchbauern nervös sind. Auch Vollrath fährt auf die Bauern-Demonstrationen des BDM; vor Jahren etwa nach Brüssel, wo sie die Milch auf die Straße schütteten. Bald geht es wieder los, zur Sternfahrt nach München.
Milchbauern fahren nur Verluste ein
Die befürchtete Milchschwemme ist nicht eingetreten. Stattdessen geht Brandenburgs Milchbauern bald die Luft aus. Heidemarie Scholze führt die Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes Oberhavel. Im Land Brandenburg wird zum Beispiel die Agrargesellschaft „Baruther Urstromtal" aufgeben. Die haben mehr als 1000 Milchkühe. Die großen Gewinner in der Landwirtschaft sind eigentlich nur die großen Ackerbauern.
Wir werden zuerst an unsere Landtags- und Bundestagsabgeordneten herantreten und ihnen die Lage klarmachen. Wenn sich nichts ändert, werden die Milchbauern aufgeben müssen. Dann gibt es keine Milch mehr aus Deutschland.
Sonntag, 9. August 2015
Ernüchterung, Wut und Frust
In Frankreich und Deutschland demonstrierten die Milchbauern in den letzten Tagen, nun folgen ihnen die Briten. In Europa sei der Unmut bei den Milchbauern gross, sagt BIG-M-Präsident Martin Haab. Er traf vergangenen Dienstag in Brüssel auf Produzenten aus ganz Europa, das EMB hat zu einer Krisensitzung geladen. In der Zwischenzeit ist die Situation eine andere. «Es ist erstaunlich, dass jetzt sogar der Deutsche Bauernverband zu Protestkundgebungen aufruft», findet Martin Haab.
UK: Bauern demonstrieren gegen Tiefpreise
Britische Bauern haben insbesondere in Wales vor Supermärkten gegen Tiefpreise sowie billige Importe aus Neuseeland und Australien protestiert. Beteiligt an den Protesten sind unter anderem die Schafbauern, die mit der Social-Media-Kampagne #NoLambWeek erreichen wollen, dass Farmer eine Woche lang kein Schaffleisch an die Supermärkte liefern. Gleichzeitig verteilen Milchbauern vor den Filialen Gratismilch, die sie zuvor in den Läden gekauft haben, wie ABC Rural berichtet.
Samstag, 8. August 2015
Sachsenmilch: Die Molkerei der Superlative
Leppersdorf - Die Sachsenmilch-Molkerei in Leppersdorf (Wachau) gilt als eine der modernsten in Europa. Müllermilch investierte inklusive Fördermittel dort schon 1,4 Milliarden Euro. Und es wird weiter gebaut: Derzeit entsteht eine neue Molke-Anlage. Jährlich werden 1,7 Milliarden Kilogramm Milch angeliefert - auch aus Polen und Tschechien, weil es nicht genügend sächsische Milch gebe. „In Spitzenzeiten kommen bis zu 300 Lkw pro Tag", erklärt Johannes Gufler, kaufmännischer Direktor.
Fonterra senkt Preis und bietet Darlehen
Die Lieferanten der weltweit größten Molkerei müssen sich auf weiter fallende Einnahmen einstellen. Um die Krise zu bewältigen, werden den Milchbauern Liquiditätshilfen angeboten.
Britische Bauern protestieren gegen niedrige Milchpreise
Aus Protest gegen den Milch-Preisverfall haben am Donnerstagabend britische Bauern mit Traktoren die Zufahrt zu einem Verteilerzentrum für Supermärkte in Bristol versperrt. Anfang der Woche hatten Landwirte aus Protest in Supermärkten die Milchregale geleert. Viele wüssten nicht, wie sie durch den kommenden Winter kommen sollten, sagte ein Sprecher der Gruppe der BBC. Sie fordern Mindestpreise und einen Stopp der Milchimporte für Großbritannien. Supermärkte argumentieren, dass der Verkaufspreis nichts mit dem Preis zu tun habe, den Bauern für ihre Milch bekämen.
Freitag, 7. August 2015
Lidl will kein Eis mehr von DMK
Lidl will in zwei Jahren einen Großteil seines Bedarfs an Speiseeis selbst produzieren. Darüber hat der Discounter betroffene Lieferanten diese Woche informiert. In der neuen Werkstruktur von Hauptlieferant DMK Ice Cream wird diese Entwicklung eine Rolle spielen.
Milch Board: Offener Brief an Minister Schmidt
Vorstand und Beirat der MEG Milch Board w. V. wenden sich in einem offenen Brief an Minister Christian Schmidt.
Anlass war ein Interview in der WELT vom 2. August 2015.
Sehr geehrter Herr Minister Schmidt,
mit großem Interesse haben wir das Interview gelesen, welches Sie der Zeitschrift „Die Welt" gegeben haben. Sie werden verstehen, dass wir aus der Sicht der größten deutschen Milcherzeugergemeinschaft eine dezidierte Meinung vertreten, welche Ihren Vorstellungen zum Milchmarkt in weiten Teilen diametral entgegensteht.
Die immer wieder geäußerte Ansicht, der Export solle das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage regeln, geht an der Wirklichkeit vorbei. China baut seine eigene Milchproduktion auf, im Übrigen mit Hilfe der EU. Die Ausfuhr der Milchprodukte ins Reich der Mitte wird deshalb auch in Zukunft eine marginale Rolle spielen, zumal der Milchpulverexport dorthin eine ziemlich zu vernachlässigende Größe darstellt. Der russische Markt wird sich aus dem auch von Ihnen vertretenen politischen Embargo nicht erledigen. Bleibt der fragwürdige Aspekt einer Beobachtung des iranischen Marktes.
Offen ist nach Ihren Aussagen, welchen Exportmarkt Sie favorisieren und in welcher Weise Sie einen solchen fördern wollen.
Richtig ist, dass die Milchquote seit dem 01.04.2015 weggefallen ist. Eine nahezu vollständige Liberalisierung war die Folge. Insoweit haben sie richtig gefolgert, dass die Erzeugerinnen und Erzeuger nun tun und lassen können was sie wollen. Das haben sie im Vorfeld des Quotenwegfalls weidlich genutzt. Die von Ihnen und dem Bauerverband gepredigte Freiheit hat dazu geführt, dass insbesondere die Wachstumsbetriebe ihre Ställe stark vergrößert oder gespiegelt und die Produktion erheblich ausgeweitet haben. Auch deshalb ist die Produktionsmenge in 2014 um nahezu vier Prozent gestiegen. In der jetzigen Milchkrise sind diese Höfe an die Liquiditätsgrenze gestoßen. Seit Jahren müssen die Milchbäuerinnen und ‑bauern unter den enorm gestiegenen Kosten produzieren (siehe der von uns vierteljährlich herausgegebene Milch Marker Index MMI). Das geht auf die Alterversorgung, auf Investitionsmöglichkeiten, auf Abschreibungen und nicht zuletzt auf das Eigentum bäuerlicher Höfe.
Der Markt braucht Regeln. Das sagen nicht wir. Das fordern Nobelpreisträger und Wirtschaftsweise. Es ist deshalb von einer gewissen Nachlässigkeit geprägt, wenn Sie Ihre Ratschläge allein auf den derzeit wirkungslosen Export beschränken. Andere Möglichkeiten fassen Sie und die Ihnen sehr verbundenen Bauern- und Genossenschaftsverbände gar nicht ins Auge. Was Wunder bei dem drohenden Verlust einer verkrusteten Macht in Folge der möglichen Einführung wirkungsvoller Marktprogramme.
Wir werden aber nicht müde, auf diejenigen Vorschläge hinzuweisen, welche Sie nie erwähnen, die aber in der Lage sind, den volatilen Milchmarkt in ruhigeres Fahrwasser zu schiffen. Unsere RoadMap Milch & Markt, die wir Ihrem Hause mehrfach vorgestellt haben, hat da ebenso ihren Anteil wie das Marktverantwortungsprogramm des BDM. Die Punkte 2 und 3 der RoadMap fordern vor allem die Bündelung der Milchbauern (welche sie wohl in den „Anbietergemeinschaften" sehen) und die Reform oder Beseitigung der Andienungspflicht. Letztere würde auch Genossenschaftsmitgliedern den Weg in den Wettbewerb ebnen. Beide Programme beschäftigen sich mit den Ursachen und der Bewältigung von Krisen. Das Geschrei von wegen interventionistischer Politik ist da gänzlich falsch am Platze.
Wir brauchen sie wohl nicht daran zu erinnern, welche Verantwortung sie gegenüber den Milchbauern in sozialer, marktwirtschaftlicher und umweltpolitischer Hinsicht haben. Deshalb unser Aufruf:
Tun Sie bitte das dringend Notwendige, um den Milchbäuerinnen und ‑bauern zu einem angemessenen Einkommen zu verhelfen. Dies fordert im Übrigen auch der Vertrag über die Arbeitsweise der EU (AEUV).
Vorstand und Beirat
MEG Milch Board w. V.
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