Heubuch forderte deshalb, wie die Mehrheit im Ausschuss, Maßnahmen zur Mengenbegrenzung. Es reichten 200 Mio. Euro aus dem EU-Agrarbudget, um den Einsatz von Milchpulver und Butterfett in der Produktion von Speiseeis und Backwaren zu fördern, schlug Ulrike Müller aus Bayern von den Liberalen vor. Albert Deß, der agrarpolitische Sprecher der Christdemokraten im Europäischen Parlament, setzte sich ebenfalls für eine Verarbeitungshilfe ein, die die Verwendung von Palmöl und damit Schäden am Regenwald vermindere. Joost Korte, stellvertretender Generaldirektor in der EU-Kommission, rief die EU-Abgeordneten dazu auf, für das freiwillige Modell zu werben und es nicht schlechtzureden.
Eine Sammlung von Infos und Links zum Thema Agrarpolitik abseits des Mainstream
Montag, 2. Mai 2016
Wachsende Zahl an EU-Agrarpolitikern für Begrenzung der Milcherzeugung
Wachsende Zahl an EU-Agrarpolitikern für Begrenzung der Milcherzeugung
Angesichts der anhaltenden Milchmarktkrise wächst die Zahl der Europaabgeordneten, die sich für verbindliche Regeln zur Produktionsbegrenzung des Milchaufkommens aussprechen. Auch der französische Grünen-Politiker José Bové betonte die Notwendigkeit eines „gemeinsamen Vorgehens". Die Europaabgeordnete der Freien Wähler, Ulrike Müller, bestritt derweil den Nutzwert der von der Kommission ins Spiel gebrachten Beihilfe von bis zu 15 000 Euro pro Betrieb bei einer Nichtausweitung der Produktion. EVP-Agrarsprecher Albert Deß gab derweil zu bedenken, dass Milchbetriebe und Genossenschaften, die sich mit guten Ideen am Markt behaupteten und sinnvolle Investitionen getätigt hätten, nicht zu Senkungen ihrer Aktivitäten verpflichtet werden könnten.
Samstag, 30. April 2016
Wir gehen mit Ansage in die Pleite
„Nur gut 20 Cent für ein Kilo Milch, die dritte schwere Krise in nur sechs Jahren – und wir können aufgrund von Verträgen noch nicht mal die Molkerei wechseln!" Jörg Hüner und Thomas Lüdemann bringen es auf den Punkt: Den Milchbauern im Land geht es wirtschaftlich so schlecht wie selten zuvor. „Es liegt vor allem an der Menge, die den Markt überschwemmt", sagt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Dabei gibt es Lösungen, um die Krise zu bewältigen", so Foldenauer, der am Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs in Hiddingen weilte. Die Milchbauern sind sich einig, dass sich schleunigst etwas ändern muss. „So gehen wir mit Ansagen in die Pleite", stellt Thomas Lüdemann klar. Und nicht nur die Bauern seien betroffen, sondern auch der Landhandel, die Maschinenringe, die Tierärzte und einige Branchen mehr. „Viele Berufskollegen können sich nicht mal mehr eine Aufgabe leisten, so sehr sind sie an Kredite gebunden", klagt Jörg Hüner.
Wem das Wasser bis zum Hals steht ...
Rund 100 Besucher, darunter auch zahlreiche aus den Nachbarlandkreisen, von Milchviehhaltern bis hin zu Vertretern aus Landhandel und Landmaschinenbranche wie auch Tierärzte, waren bei der BDM-Diskussionsrunde im Vereinsheim in Breitenthal zusammengekommen. „Die Molkereien verdienen nach wie vor gutes Geld, außer uns hat keiner ein Interesse, dass sich etwas ändert." Herbe Kritik kam unter anderem gegenüber Bauernverband und vor allem Bundeslandwirtschaftminister Christian Schmidt – er vertrete nicht die Bauern.
Südtirols Milchwirtschaft schlägt Alarm
„Das Angebot war anhaltend hoch, die Nachfrage gering, der Preisdruck entsprechend stark." Dies sei auch an Südtirols Milchhöfen nicht spurlos vorübergegangen. „Deshalb", so Reinalter, sei es umso erstaunlicher, dass es ihnen gelungen sei, den Milchpreis weitgehend stabil zu halten. So wurden landesweit durchschnittlich 50,98 Cent/Kilogramm ausgezahlt. „Wir haben im Berggebiet wegen kleiner Betriebe, geringer Produktivität, schwieriger Arbeitsbedingungen und aufwändiger Logistik auch sehr hohe Produktionskosten", betonte der Obmann. Dass Südtirols Milchwirtschaft angesichts der Marktsituation überhaupt noch konkurrenzfähig sei, liege einzig und allein an deren Organisation in Genossenschaften, zeigte sich der Obmann überzeugt.
Überproduktion schafft Marktkrise
„Innerhalb der letzten zwei Jahre haben wir in der EU zehn Millionen Tonnen mehr Milch produziert. Wir Bauern haben einfach keine Handhabe mehr, können Nachfrage und Angebot nicht vernünftig regulieren und sind vertraglich an Molkereien gebunden, die nahezu konkurrenzlos dastehen. Das Ganze ist ein Teufelskreis", erklärt Foldenauer, was die rund 70.000 Milchbauern in Deutschland beschäftigt. Um den Entwicklungen entgegenzuwirken, hat der BDM bereits 2014 ein Krisenmanagement-Konzept ausgearbeitet – und kämpft seitdem für dessen Akzeptanz und Umsetzung. „Es funktioniert nicht, einfach zu sagen: Macht mal weniger Milch." Wer sich als Verbraucher für die Bauern stark machen will, könne zu Fair-Trade-Milch greifen anstatt zur billigen Variante, so Hüner. Er ergänzt: „Aber unser Problem hängt nicht vorrangig mit dem Angebot im Supermarkt zusammen. Was uns hilft: mehr Aufmerksamkeit für unsere Botschaft."
Mittwoch, 27. April 2016
Edeka Südwest gibt regionalen Milchbauern Preisgarantie
Das Unternehmen werde die Zahlungen für regionale Markenprodukte der Molkereien in seinem Absatzgebiet unverändert lassen. Matkovic sagte, in den Verhandlungen mit den Molkereien bestehe Edeka Südwest darauf, dass die Erlöse der gleichbleibenden Einkaufspreise an die Landwirte weitergegeben werden. Die Aktion laufe zunächst zeitlich unbefristet. Mehrere Molkereien seien dafür gewonnen worden. Der Vorstandsvorsitzende der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, hatte am Dienstag bei der Bilanzvorlage gesagt, Edeka sei sogar bereit, mehr als den Marktpreis zu bezahlen, wenn dadurch mehr Vielfalt erhalten bleibe. "Aber wir können nicht viel machen. Wir haben keine direkte Geschäftsbeziehungen zu den Bauern, sondern zu Molkereien."
Handel: Wir sind nicht an Preismisere der Bauern Schuld
„Wer Supermärkte und Discounter verantwortlich macht, redet am Thema vorbei: Die Preisbildung für Milch und Fleisch erfolgt auf dem Weltmarkt." sagt HDE-Geschäftsführer Stefan Genth. Die Tiefpreisphase sei letztlich Folge einer verfehlten Agrarpolitik, die ausschließlich auf eine Ausweitung der Produktion gesetzt habe. Molkereien säßen auf großen Milchseen und unterböten sich wegen des Überangebots gegenseitig.
Gnadenlos hässlicher Milchmarkt
„Die Branche steht durch das Ungleichgewicht zwischen Milchangebot und Nachfrage vor dem härtesten Crashtest, den man sich vorstellen kann", sagt Martin Boschet in seinem Ausblick für das laufende Jahr. Der geschäftsführende Vorstand der Hohenloher Molkerei macht den etwa 450 Mitgliedern der Genossenschaft keine Hoffnung, dass sich schon bald etwas zum Besseren wenden wird. Seit dem Auslaufen der Milchquote zum April vergangenen Jahres habe die Milchmenge in Europa dramatisch zugenommen. In den ersten Monaten dieses Jahres hätten die Niederlande, Irland, Tschechien und Polen zwischen 8 und 33 Prozent mehr produziert. In Deutschland liege das plus bei 3,8 Prozent. „Die Mehrproduktion von 28 EU-Ländern übersteigt bereits nach drei Monaten die Jahresproduktion von Baden-Württemberg deutlich", macht Boschet die Dimension anschaulich.
Wenn Milch zum „Brandbeschleuniger“ wird
Auch Andreas Kraus, Geschäftsführer der Goldsteig Käsereien, sieht noch kein Licht am Horizont. Im Gegenteil – der Wegfall der Quote wirke sich mittlerweile aus, sagt Kraus. Das heißt, deutlich mehr Milch wird angeliefert. Wie viele andere Molkereien habe auch die Goldsteig mittlerweile in einem Schreiben an die Landwirte appelliert, sich bei der Mehrproduktion zu zügeln, um den Preisverfall zu bremsen. Doch bisher zeige der Appell keine Wirkung.
Auf Nachfrage, ob er denn irgendwelche Zeichen sehe, die eine Umkehr aus dem Preis-Tal bringen könne, verneinte Kraus. Er sehe keine solchen Zeichen der Besserung. Es mache keinen Sinn, sich da etwas vorzumachen: „Bis zum Ende des Jahres sehe ich keine Besserung!"
Edeka-Chef Markus Mosa kritisiert Molkereien
"Wir sind überhaupt nicht daran interessiert, dass der Rohstoff Milch verramscht wird. Und könnten wir unmittelbar mit den Bauern verhandeln, würde das die Situation sicher entspannen." Der Lebensmittelhandel müsse aber mit den Molkereien verhandeln, und der Markt werde von einer Hand voll großer Anbieter diktiert. "Schauen Sie in deren Geschäftsabschlüsse. Die machen alle Rekordgewinne", sagte Mosa. Edeka sei deshalb dazu übergegangen, kleineren Molkereien höhere Preise zu bezahlen als anderen Anbietern. Einfach, um sie am Markt zu halten.
Dienstag, 26. April 2016
Jedes Melken ist ein Verlustgeschäft
Der Freitagabend war bestimmt keiner der angenehmsten Termine für Peter Bleser. Praktisch allein sah sich der Parlamentarische Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums rund 80 ziemlich schlecht gelaunten Milchviehhaltern gegenüber, die wenig Zurückhaltung bei der Äußerung ihres Unmutes zeigten. Doch der CDU-Politiker zeigte sich unbeeindruckt von den Situationsschilderungen und Forderungen der Landwirte, die bei einem Milchpreis von unter 25 Cent pro Liter unter ihren Kosten produzieren müssen.
Molkerei stemmt sich gegen den Trend
Die Generalversammlung der Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land besuchten aufgrund der Brisanz der Milchmarktlage 535 Landwirte entlang der Alpenkette vom Watzmann bis zur Zugspitze. Das waren deutlich mehr Mitglieder als in den Vorjahren. Sie wollten sich aus erster Hand informieren, heißt es in einer Presseaussendung der Milchwerke.
Samstag, 23. April 2016
Thüringer Bauernverband fordert weniger Milchproduktion
Die Thüringer Bauern fordern, die Milchproduktion in allen Ländern der Europäischen Union um zehn Prozent zu verringern. Der Vize-Präsident des Bauernverbands, Aribert Bach, sagte MDR THÜRINGEN am Freitag, dass die Preis-Krise in der Milchwirtschaft nicht anders zu meistern sei. Wenn sich der Preis aber bei gleichbleibender Milchproduktion weiter wie bisher entwickle, lande er bald bei weniger als 20 Cent pro Liter. Das würde für viele Thüringer Milcherzeuger das Aus bedeuten, warnte Bach.
Hoffnungsschimmer für die Milch
Erstmals haben die Agrarminister der Länder genau den Beschluss gefasst, den der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter immer gefordert hat. Noch aber trauen Helmut Graf und seine Mitstreiter dem Braten nicht ganz.
Aus der Sicht der BDM-Leute ist es nichts geworden mit dem "soft landing" - der Hoffnung, durch steigenden Export nach dem Auslaufen der Quote den Preis zu stabilisieren. Die Export-Fantasien waren den BDM-Leuten ohnehin nie geheuer. "Da verdient nur die Industrie dabei", findet Manfred Albersdörfer. Die wolle mit billiger Milch den Weltmarkt erobern und mache doch nur mit Dumping-Preisen die lokalen Märkte kaputt.
Türkei: Milch-Grossunternehmer mit über 1000 Kühen
Die Türkei ist wegen dem warmen Klima kein typisches Milchland. Trotzdem investiert der Staat in den Sektor. Und Milchproduzenten wie Mehmet Dogan haben über 1000 Kühe im Stall. Die durchschnittliche Milchleistung beträgt 30 Liter pro Tag mit 3,4% Eiweiss und 4,2% Butterfett.
Pro Liter bekommt Mehmet Dogan aktuell einen Milchpreis von 1,20 Türkische Lira (37 Eurocent). Seine Produktionskosten liegen bei rund 0,95 Türkische Lira (30 Eurocent). Die Türkei kennt auch Subventionen. Pro Jahr zahlt die Regierung mehr als 7 Milliarden Türkische Lira (2,1 Mia. Euro) an ihre Bauern. Die Milchbauern beispielsweise bekommen 0,09 Türkische Lira (0,03 Eurocent) pro Liter. Pro Kuh und Jahr gibt es ferner 50 Türkische Lira (15,6 Euro), wenn der Betrieb EU-Standards erfüllt, wie Mehmet Dogans Farm. Weitere 200 Türkische Lira (62,5 Euro) pro Tier und Jahr kann ein Bauer als Unterstützung abholen, wenn er Massnahmen zur Herdengesundheit (Impfungen etc.) ergreift.
Die Türkei hat grosse Pläne mit der Landwirtschaft und dazu einen Strategieplan bis ins Jahr 2023 verabschiedet. Die Subventionen werden aktuell angepasst, um die Landwirtschaft zu stärken. 2010 hat die Türkische Landwirtschaftliche Bank Ziraat Bankası (Ziraat heisst Landwirtschaft) Milchproduzenten und Rinderzüchtern langfristige Darlehen zu 0 Prozent Zins angeboten. Ein grosser Teil der Milch wird als UHT-Milch nach Europa, in die USA und den Mittleren Osten exportiert.
Donnerstag, 21. April 2016
Auszahlungspreis kann auf 23 Cent sinken
Wegen steigender Milchmengen nach Auslaufen der Lieferquoten geraten die Bauern in einen Teufelskreis aus Überangebot und sinkenden Preisen. Die Milchwerke Schwaben stehen nun ebenfalls unter Druck. Die regionalen Milchbauern sitzen in einer Achterbahn, die gegenwärtig „steil abwärts" fährt. So beschrieb Jakob Ramm vom Vorstand der Milchwerke Schwaben am Dienstag bei der Vertreterversammlung die Lage auf den Milchmärkten. Sie sei auch wegen der Überproduktion nach Ende des europäischen Milchquoten-Systems geradezu „katastrophal". Ramms Kollege Karl Laible schloss im Donausaal ein Absinken auf 23 Cent nicht aus. Und: „Es ist keine Besserung in Sicht". Alle Redner waren sich einig, dass die einzige Lösung des Problems in rückläufigen Milchmengen besteht.
Mittwoch, 20. April 2016
Elite: Veauthier fordert "Entgiftung" der Milchbranche
Die Ankündigung, den Milchmarkt an die Kandare zu nehmen ist nichts als purer Populismus! Dazu braucht es aber nicht noch mehr populistische, (in der EU) nicht mehrheitsfähige Konzepte, sondern eine Entgiftung der Milchbranche (sowohl in Deutschland als auch in der gesamten EU)! Dem von BDM, AbL und Grünen angeführten Bündnis als auch der Gegenseite (DBV und Molkereien) sei gesagt, dass es keineswegs ein Zeichen von Kreativität ist, auf die durch die Globalisierung hervorgerufene Krise nach altem Muster zu reagieren: Ruf nach staatlichem Finanzausgleich und Mengenbegrenzung bzw. dem Subventionieren von Exporten.
Milchwerke Schwaben: Milchflut trübt die Bilanz
Ein Gefühl von entsetzter Ohnmacht macht sich unter den Delegierten der Vertreterversammlung der Milchwerke Schwaben breit, als der geschäftsführende Vorstand Karl Laible einen Blick in die Zukunft wagt: „2015 war katastrophal, 2016 wird nicht besser werden", sagt er über den Milchpreis. Eine „unterirdische Achterbahnfahrt" nennt Vorstand Jakob Ramm aus Elchingen die Milchpreisentwicklung. So dürfe es nicht weiter gehen. Ein echtes Lichtlein am Ende des Milchpreis-Tunnels kann Vorstand Karl Laible aber nicht erkennen. Hier helfe nur Geduld, das Problem sei auch nicht national, sondern nur auf europäischer Ebene zu lösen.
Dienstag, 19. April 2016
Video - Christian Meyer spricht zu den Beschlüssen von Göhren-Lebbin
Landes-Agrarminister Niedersachsen, Christian Meyer, war der einzige, der zu den demonstrierenden Bauern rauskam, um über die Beschlüsse der Agrarministerkonferenz zu reden.
NDR Video - Agrarminister beschließen Hilfen für Milchbauern
Die Agrarministerkonferenz stand im Zeichen der Milchkrise. Die Minister setzen erneut auf eine freiwillige Reduzierung der Milchmenge und wollen Bonushilfen bereitstellen.
DMK zahlt 20 Mio. € an DOC Kaas
So wird die Liefergenossenschaft DOC Kaas B.A. künftig 10 Prozent Anteile an der DMK GmbH halten. Zusätzlich muss die DMK GmbH laut Fusionsvertrag 20 Mio. € an die DOC Kaas bezahlen. Auf der anderen Seite kann die DMK GmbH die beiden DOC-Standorte in Hoogeveen als 100-prozentige Tochter in das Unternehmen eingliedern. Die Genossenschaft DOC Kaas erhält zudem einen Sitz im Aufsichtsrat der DMK GmbH, der insgesamt 12 Sitze umfasst.
Montag, 18. April 2016
Faktisch sind die Milchbauern geknebelt
Pro Kilogramm Milch erhalten Bauern derzeit 25 Cent: Für viele Betriebe bedeutet das den Untergang. Doch Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck fordert mehr als nur eine faire Bezahlung. Die Bauern machen gar nichts falsch. Sie machen exakt das, was die Vertreter der Bauernschaft immer wieder propagiert haben: Preisgünstig hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Wenn das Höfesterben in diesem Tempo weitergeht, werden in fünf Jahren allein in Schleswig-Holstein die Hälfte der Milchbauern verschwunden sein. In anderen Bundesländern sieht es ähnlich aus.
Neues Milupa-Werk eröffnet & Milchbauern-Demo
170 Millionen Euro hat der französische Danone-Konzern in die Hand genommen, um für die Tochter Milupa in Osthessen ein neues, zusätzliches Werk zu bauen. Die modernste Produktionsstätte in ganz Europa steht im Industriegebiet-West bei Fulda. Knapp 100.000 Tonnen Babynahrung sollen ab sofort pro Jahr produziert werden. Einige Landwirte aus der Region nutzten den Anlass, um vor dem Werkseingang gegen die immer weiter sinkenden Milchpreise und für eine Mengenobergrenze in der Produktion zu demonstrieren. Beide Minister mieden jedoch die Konfrontation und fuhren durch Nebeneingänge auf das Milupa-Werk.
Freitag, 15. April 2016
Milchviehbauern protestieren vor BR-Sendung
Fürstenfeldbruck - Ein Traktor nach dem anderen rollte vor die Marthabräuhalle, als die Vorbereitungen für die Live-Sendung "jetzt red i" im vollen Gange waren. Angedacht war, dass die rund 30 Bauern aus der Region, die zum Protest mit ihren 15 Traktoren anrollten, dem Minister diesen Brief bereits vor der Sendung überreichen. Doch dieser schlich sich durch den Hintereingang. Doch die Proteste verliefen ruhig. Die Bauern warteten geduldig. Denn die Brucker Polizei konnte mit dem Pressesprecher des Innenministers ein Gespräch nach der Sendung vermitteln. Hermann hielt sein Wort und nahm sich nach der Sendung zehn Minuten Zeit für die Bauern.
Donnerstag, 14. April 2016
Überschüsse vermeiden statt einlagern
Bei einem Infoabend trugen sich im Landwirtschaftszentrum auch Landrat Herbert Eckstein und Kommunalpolitiker ein. Hinter das Anliegen des Verbandes stellten sich neben ihm auch Hilpoltsteins Bürgermeister Markus Mahl sowie etliche Vizerathauschefs der Gemeinden. Sie alle versammelten sich um die Kuh "Faironika" und bekundeten so ihre Zustimmung. Namentlich waren dies Ursula Klobe (Thalmässing), Dieter Knedlik (Heideck), Klaus Popp (Rohr), Hans Raithel (Roth), Georg Schiffermüller (Georgensgmünd), Klaus Vogel (Wendelstein) und Hans Zeiner (Abenberg). Das Zeichen der Solidarität kommt gerade richtig. Denn man befinde sich derzeit "in der größten Milchkrise aller Zeiten", wie Johannes Pfaller sagte, seines Zeichens Bundesbeiratsvorsitzender des Verbands.
Andienungspflicht muss bleiben
Trotz des übergroßen Angebotes an Milch will der Genossenschaftsverband Bayern an Andienungs- und Abnahmepflicht von Molkereien nicht rütteln. Der Verband spricht sich stattdessen dafür aus, Mechanismen zur Absicherung der Margen der bäuerlichen Betriebe ähnlich wie in den USA zu entwickeln. Er sieht in einer Versicherungslösung für Landwirte die bessere Lösung gegen schwankende Marktpreise als eine Preisabsicherung über den Wartenterminmarkt.
Bauernverband gegen Milchmengenabsprachen
Der sächsische Landesbauernverband sieht in der Genehmigung von Absprachen zur Milchmengenbegrenzung keine Entlastung für die vom Preisverfall bedrohten Milchbauern. Die Entscheidung der EU-Kommission, ab diesem Mittwoch auf sechs Monate befristet Verabredungen unter Landwirtschaftsbetrieben zur erzeugten Milchmenge zuzulassen, sei „Schnee von gestern", sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Uhlemann der Deutschen Presse-Agentur. „Ich glaube nicht daran, dass das hilft." Erfolgversprechender wären direkte Zuschüsse an die Bauern, um in der akuten Krise zu helfen.
Mengenabsprachen bei der Milch: Das steckt hinter Artikel 222
Diese Ausnahme vom EU-Wettbewerbsrecht ist, seit der GAP-Reform von 2013 in Artikel 222 der Gemeinsamen Marktordnung, im Fall ernster Marktstörungen für einen Zeitraum von höchstens sechs Monaten vorgesehen. Die Mittel dazu sollen aus den nationalen Haushalten kommen. "Die rechtliche Umsetzung der Anwendung des Artikels 222 der GMO wird derzeit von der Bundesregierung erarbeitet", erklärt Ludwig Börger, Referatsleiter Milch beim Deutschen Bauernverband. Eine mögliche Verabschiedung der nationalen Umsetzung des Artikels 222 kann sich bis zum Juni 2016 hinziehen.
Nach Einschätzung Börgers sei es aber "äußerst wahrscheinlich", dass es nicht zu einer Anwendung in Deutschland kommen werde. "Eine Mengenregulierung kann in zunehmend offenen europäischen Märkten keine befriedigende Wirkung entfalten. Weder auf einzelbetrieblicher noch auf einzelstaatlicher Ebene", schätzt Börger ein.
Mittwoch, 13. April 2016
Milchkrise: 15.000 Euro fürs 'Einfrieren' der Produktion
Die EU-Kommission schlägt den Mitgliedstaaten vor, den Milcherzeugern Geld zu geben, wenn diese die Produktion einfrieren oder weniger erzeugen. Dafür soll es maximal 15.000 Euro geben. Hogan wies in seinem Bericht über die jüngsten Marktentwicklungen darauf hin, dass sich die Milchproduktion im Januar 2016 gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,6 Prozent erhöht habe; der größte Anstieg sei in den Niederlanden, Deutschland und Irland zu verzeichnen.
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