Montag, 27. Juni 2016

Bauern verwandeln Kirchberg in «Milchsee»

Mehrere Dutzend belgische Bauern sind am Montag aus Protest mit ihren Traktoren vor dem Konferenzgebäude in Luxemburg-Kirchberg vorgefahren. Als Zeichen ihres Ärgers schütteten die Landwirte hunderte Liter Milch auf dem Vorplatz aus. In dem Konferenzgebäude findet heute eine Sitzung der EU-Agrarminister statt.

Es ist falsch, das aktuelle Landwirtschaftssystem mit noch mehr Geld zu füttern

„Die Konkurrenz um die billigste Milch oder die billigste Schweinehälfte verlieren wir. Wir müssen hin zu einer Orientierung auf Qualität und Regionalität. Mit Qualität lassen sich entsprechende Preise nicht nur im Export, sondern vor allem in der regionalen Vermarktung rechtfertigen", sagt Günther. „Es ist grundfalsch, in das bestehende und nicht nachhaltige System Landwirtschaft noch mehr Geld zu geben. Dieses Geld ist nicht nur sinnlos verloren, es schadet sogar regelrecht, da es den überfälligen Richtungswechsel verzögert und noch mehr Betriebe auf der Strecke bleiben. 

Sonntag, 26. Juni 2016

Rukwied: Wende nicht in Sicht

«Eine Trendwende ist im Moment nicht in Sicht», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur vor dem Bauerntag an diesem Mittwoch und Donnerstag in Hannover. «Wir befürchten, dass wir in diesem Jahr je nach Produktionsrichtung nochmals 15 bis 35, 40 Prozent Einkommensrückgang erleiden müssen.»

Samstag, 25. Juni 2016

Hipp übernimmt DMK-Werk

Das Herforder Ex-Humana-Werk für Babynahrung wird an das bayerische Familienunternehmen Hipp verkauft. Der Marktführer kündigte am Freitag an, er werde in den Standort investieren und die Kapazitäten ausbauen. Hipp ging schon vor mehr als zehn Jahren eine Kooperation mit der damaligen Humana ein. 

DMK-Vertreter lehnen alle Anträge ab

Auf der Vertreterversammlung des Deutschen Milchkontors (DMK) am Mittwoch dieser Woche in Hannover gab es intensive Diskussionen. Alle Anträge auf eine Satzungsänderung lehnten die Vertreter aber mit großer Mehrheit ab, berichten Teilnehmer der Versammlung gegenüber top agrar.


Arla: Herbe Verluste in Deutschland

Die europäische Molkereigenossenschaft Arla Foods schreibt in Deutschland tiefrote Zahlen. Das geht zumindest aus Aussagen der seit September 2015 tätigen Finanzdirektorin Natalie Knight hervor, die von „großen Problemen auf einem ihrer größten Märkte Deutschland" spricht. Auch für die nahe Zukunft schätzt Finanzchefin Knight die Ertragssituation in Deutschland „nicht besonders positiv" ein.

Freitag, 24. Juni 2016

DMK gibt Herford auf


Auf der DMK Vertreterversammlung wurde diese Woche der Verkauf der Anteile am Babyfood-Werk Herford an Hipp bekannt gegeben. In Herford wurde bisher die Kapazität zu 75% durch Hipp ausgelastet. Das Werk Strückhausen wird aktuell zum Babyfood-Standort ausgebaut.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Neuer LK-General Plank: Nur Mengenreduktion hilft gegen Krise

Für den künftigen Generalsekretär der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, Josef Plank, hilft gegen die Milchpreiskrise kurzfristig nur eine EU-weite Reduktion der Milchmenge. Länder wie Irland, Niederlande, Dänemark und Deutschland müssten auf die Bremse treten. Bei den aktuell niedrigen Preisen würde sich aber auch die Milchproduktion in Großproduzentenländern nicht mehr rechnen. Wenn manche glaubten, man könne sich agrarisch nur nach dem Markt orientieren, dann sei dies nur in Teilen Österreichs möglich. Hier brauche es Ausgleiche, also auch Ausgleichszahlungen.

Leute, steht auf und kämpft für eure Sache

Von der Regierung nach eigenem Bekunden „zum Tode verurteilt", doch sie wehren sich. Die Rede ist von den Milchbauern in Deutschland. Waren noch vor einigen Jahren viele der anwesenden Milchbauern aus Friesenhausen und Umgebung Mitglied im Bauernverband gewesen, tragen sie heute Kappen und T-Shirts mit der Aufschrift BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter). „Wir haben in Sachen Milch die Nase vorne", so BDM-Mitglied Alfred Greubel, Milchbauer aus Elfershausen, der beim Frühschoppen als Moderator auftrat. „Seit 2014 gibt es keinen anderen Berufsverband, der Lösungen auf den Tisch gelegt hat. Der Bauernverband beschwichtigt und lenkt ab", sagte Horst Arnold, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Und so war auch kein Vertreter des Bauernverbandes der Einladung der Friesenhausener gefolgt.

Das Dilemma beim Milchpreis – unlösbar?

Dr. Hans-Jürgen Seufferlein beschrieb die Situation so: „Es geht nicht um einen Eimer Milch, der überläuft, dann geben wir halt etwas weniger in den Eimer und alles ist in Ordnung." Der Milchmarkt sei wesentlich schwieriger und auch anders als die anderen landwirtschaftlichen Märkte. Das Problem sieht Dr. Seufferlein nicht beim Auslaufen der Milchquote. Die Kriste habe 2014 begonnen mit dem Wendepunkt der Weltagrarmärkte. 

Dienstag, 21. Juni 2016

Protest bei DMK Bilanzpressekonferenz

Aus Unzufriedenheit mit den anhaltenden Tiefpreisen wollen rund 500 Landwirte das Milchkontor verlassen. Kritik am Kurs des DMK kam von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), die vor dem Veranstaltungsort protestierten. "DMK lebt, die Bauern sterben", stand auf einem Plakat. Johanna Böse-Hartje vom BDM in Niedersachsen beschrieb die Lage auf den Höfen als desolat. Die Landwirte könnten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.
weser-kurier.de

Bauern weiter sauer über Dauer-Preistief
bild.de




Fotos: Gerd Uken

Der Rat der Agrarökonomen kostet unser Geld

Vorfahrt für Billigmilch, Rechnung an die Staatskasse. Milchindustrie profitiert

Acht Professoren der Agrarökonomie von drei deutschen Universitäten haben eine Pressemitteilung zum Milchmarkt verfasst. Für sie läuft der Milchmarkt mit seinem Milchüberschuss und dem daraus resultierenden existenzbedrohenden Preistief derzeit bestens. Sie begrüßen, dass „viele Landwirte (…) bei den derzeitigen Erzeugerpreisen von durchschnittlich ca. 24 Cent/kg nicht mehr kostendeckend Milch produzieren" können. Denn das führe ihrer Meinung nach dazu, dass „diejenigen Produzenten mit den ungünstigsten Kostenstrukturen aus der Milchproduktion aussteigen". Das wiederum senke die Angebotsmenge und lasse die Preise „tendenziell steigen". Andere Maßnahmen, um die Angebotsmenge sinken und die Preise steigen zu lassen, lehnen sie dagegen strikt ab. Sie sprechen sich sowohl gegen eine befristete Selbstverpflichtung der Milcherzeuger, der Molkereien oder der gesamten Branche zu einer Mengenvernunft aus als auch gegen eine befristete staatliche Einflussnahme auf die erzeugte Milchmenge, wie sie die Bundesländer einstimmig fordern und der sich der Bundesminister nun auch langsam nähert.

„Die Agrarökonomen haben ihre Zeit gehabt. Ihre Rezepte wurden im Milchmarkt vollständig umgesetzt, was Ursache und nicht Lösung des Problems ist. Erst wurden die Milchquoten erhöht und dann abgeschafft. Der Bau größerer Ställe wurde kräftig subventioniert. Viele Kühe kamen ganzjährig in den Stall, es wurde mehr Kraftfutter eingesetzt, die Milchleistung der Kühe stieg, jetzt gehen sie im Schnitt schon nach drei Jahren zum Schlachter. Alles wurde umgesetzt, um Milch möglichst billig zu erzeugen", kommentiert Ottmar Ilchmann, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

„Im Ergebnis führen die Ratschläge der Agrarökonomen jetzt tagtäglich zu hohen Verlusten in allen noch verbliebenen 70.000 Milchviehbetrieben in Deutschland. Es gibt keinen Milchviehbetrieb, der zum staatlichen Interventionspreis von 20 Cent je Liter wirtschaftlich Milch erzeugen kann. Zudem empört das von den Agrarökonomen propagierte System die ganze Gesellschaft, die nun mit Steuergeldern hilflos lindern soll, was durch ökonomische Vernunft hätte leicht vermieden werden können", stellt Ilchmann fest. Die Wissenschaftler machten sich einen schlanken Fuß, indem sie sozialen und ökologischen Kosten ihrer Ratschläge voll und ganz auf die Steuerzahler abschieben wollten, kritisiert die AbL weiter.

Die wahren Profiteure der professoralen Ratschläge seien die stark exportorientierten Molkereien, die sich über billigen Rohstoff im Überfluss vielleicht freuen. „Aber warum soll diese Interessenlage ökonomisch sinnvoller sein als die Sorge um die wirtschaftliche Substanz von Tausenden Milchviehbetrieben?", fragt Milchbauer Ilchmann.

Wissenschaftler sollten selbstverständlich ihre Meinung kundtun, solange es nicht zu einem Meinungskartell komme, weil es dann keinen Wettbewerb der Ideen gebe, warnt die AbL. Die Branche und die Politik sieht die AbL dagegen gut beraten, wenn sie angesichts der dramatischen Situation auf den Milchviehbetrieben jetzt mit Hochdruck an solidarischen Lösungen arbeiten. 

Göttinger Professoren erhalten Gegenwind

Kritik am Text „Wiedereinführung der Milchquote kein sinnvolles Instrument der Agrarpolitik" der Agrarökonomie-Professoren/innen Brümmer, Cramon-Taubadel, Mußhoff, Qaim, Spiller, Theuvsen, Odening, Hüttel, Uehleke 
von Prof. Dr. Onno Poppinga (Holzhausen) im Juni 2016 

Auszug:
1. Die Professoren/innen gehen von einem ungeeigneten theoretischen Ansatz 
aus. Durchgängig wird in der Stellungnahme mit marktökonomischen Begriffen argumentiert; zum Beispiel (S. 3): „Eine Aushebelung des Marktes ist aber das falsche Instrument, um Landwirten zu helfen. 
"Die Verwendung einer marktökonomischen Begrifflichkeit ist aber bei der Analyse der Beziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien vom Grundsatz her falsch, weil es sich dabei nicht um Markt - sondern lediglich um Lieferbeziehungen handelt.


Peitschen Sie den Schmidt dahin

Auf Augenhöhe mit den Molkereien wollen sie verhandeln und endlich teilhaben an dem Markt, von dem sie sich, als Urproduzenten, ausgeschlossen fühlen. Hans Foldenauer vom Bund Deutscher Milchviehhalter erläuterte dem Chef des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, und Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig die Lage der Milchbauern in Süddeutschland. Knoerig, der die Landwirte zu der Diskussion eingeladen hat, zeigt Verständnis. Er will hören, aufnehmen, begreifen und umsetzen. Die Landwirte hingegen wollen eine feste Zusage, eine Ankündigung, dass er in ihrem Sinne handeln wird. 

Sonntag, 19. Juni 2016

Niedrige Preise sind die beste Sozialpolitik

Nach Ansicht des Freiburger Ökonomieprofessors Tim Krieger werden niedrige Preise für Milch und andere Lebensmittel in der öffentlichen Debatte zu Unrecht fast immer nur als Problem betrachtet. Geplante politische Eingriffe in den Milchmarkt würden zwar den Interessen der Landwirte dienen, drohten aber zulasten ärmerer Verbraucher zu gehen, sagt er im Gespräch mit Ronny Gert Bürckholdt. 

DMK Ice Cream muss Eis zurückrufen

Der Eishersteller DMK Eis ruft sein Produkt „Mini Choc Classic, 12 Stück" der Marke „Gut & Günstig" zurück. Verbraucher hätten Teile der Holzstiele im Eis gefunden, erklärte das Unternehmen am Freitag. Sie wurden in verschiedenen Bundesländern vor allem in Marktkauf- und Edeka-Filialen verkauft. 

Jeder zehnte Betrieb wird schließen

Die Preise fallen drastisch, teilweise unter 20 Cent pro Liter. Für Meise, seine 30 Mitarbeiter und 740 Kühe könnte das Spiel am Milchmarkt bald aus sein - genau wie für viele andere Betriebe seiner Branche. Die seien zum Teil hochverschuldet, sagt er. „Jetzt entscheiden die Banken, welche Milchbauern weiter bestehen."  Selbst wenn Agrafrisch auch auf Ackerbau, Tierzucht und seine 600 Kilowatt Biogasanlage setzen kann, ist für Meise klar: „Wenn bis zum Jahresende nichts passiert, müssen wir unsere Ställe schließen."

Samstag, 18. Juni 2016

Baubeginn für neue Molkerei im Oberallgäu

Fallende Milchpreise, geizige Verbraucher? Ein Molkereitechniker und ein Molkereimeister aus dem Allgäu setzen auf gentechnikfreie Heumilch und investieren über drei Millionen Euro in eine neue Molkerei. Heute ist Baubeginn.
Die beiden Existenzgründer setzen darauf, dass Verbraucher für regionale Produkte bester Qualität einen höheren Preis zahlen werden als für Massenware, sie wollen auch den Bauern mit 40 Cent pro Liter einen deutlich höheren Milchpreis ausschütten als im konventionellen Markt derzeit bezahlt wird.

Freitag, 17. Juni 2016

Im Milchbottich köchelt es weiter

Dass das Zehn-Punkte-Programm mehr Mittel für das Milchmarketing der AMA und Gelder aus der Ländlichen Entwicklung für die Stärkung des Exports vorsieht, stößt Ernst Halbmayr von der IG Milch sauer auf: „Wir haben kein Absatz- sondern ein Überproduktions-Problem."
Beim Milchdialog hätte es den Anschein gehabt, dass fast alle Akteure verstanden haben, dass die Krise ohne Milchmengensteuerung nicht überwunden werden kann. Leider seien dennoch keine Maßnahmen zur Reduktion der Milchmenge vorgesehen worden. „Man versucht, die Verantwortung auf die EU und die Verbraucher abzuschieben", folgert Halbmayr. 

Milchnischen lösen Problem nicht

Auch im Bezirk Imst ist die Situation der Milchbauern sehr kritisch. Gefragte Almprodukte oder der einzige noch existierende Milchautomat trösten nur wenig. Das „weiße Gold" glänzt schon lange nicht mehr, im Gegenteil: Die Milchbauern auch im Bezirk Imst sehen schwarz. „Die Produktionskosten sind höher, das ist ein Defizitgeschäft", bestätigt auch der Chef der Bezirkskammer Imst, Otmar Juen, die bekannte Problematik, „die Situation ist sehr kritisch." Auch für ihn ist eine Lösung des Problems nicht in Sicht.


Müller auf Wachstumskurs

Die Überschrift ist unspektakulär: „Bebauungsplan Gewerbegebiet Leppersdorf, dritte Änderung" steht über dem Papier. Doch der Inhalt hat Gewicht. Es wird deutlich, dem Unternehmen geht es gut, die Zeichen stehen auf Wachstum. Gleich auf drei Arealen will Sachsenmilch Veränderungen vornehmen. Die Molkerei verarbeitet jährlich rund 1,7 Millionen Tonnen Milch und stellt daraus alles von Desserts über Käse, Butter und haltbare H-Milch her. Mittlerweile arbeiten rund 2 500 Menschen am Standort. Seit 1994 hat die Müller-Gruppe rund eine Milliarde Euro in Leppersdorf investiert.

Copa / Cogeca offenbart: Zuversicht der Landwirte 2016 auf Rekordtief

Schwer getroffen vom Wirtschaftsabschwung, dem Einbruch der Ölpreise, stark steigenden Betriebsmittelkosten und dem russischen Exportembargo herrscht unter den Landwirten weniger Zuversicht denn je. Die Landwirte befinden sich im Spagat zwischen geringen Erzeugerpreisen und hohen Betriebsmittelkosten. Die Preise der meisten landwirtschaftlichen Rohstoffe sind im letzten Jahr gefallen und eine spürbare Erholung der Preise ist nicht in Sicht. 

Mächtige Molkereien, geschwächte Bauern?

Immer größere Molkereien beherrschen den Milchmarkt. Nach NDR-Informationen investieren Molkereiunternehmer auch direkt in Milchviehbetriebe. Branchenkenner befürchten, dass Landwirte dadurch immer mehr im Wettbewerb geschwächt werden. Das Bundeskartellamt hat jedenfalls Zweifel daran, dass die Landwirte genügend unternehmerischen Spielraum haben. Erst im April hatte die Behörde ein Verfahren eingeleitet, um die Lieferbedingungen der Molkereien zu überprüfen.


Donnerstag, 16. Juni 2016

Schwarz: Das Problem wird sich von allein lösen

Überraschend gelassen sieht der Präsident des Landesbauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, die aktuelle Situation in punkto Milchpreis. „Das Problem wird sich von allein lösen", sagte er als Gastredner einer Rotary-Veranstaltung in der Niebüller Schul-Mensa. Sein Fazit: Der Markt regelt alles, Krisen müssen durchgestanden werden. Dabei las Werner Schwarz Berufskollegen die Leviten: Diese hätten nicht genügend Rücklagen gebildet.


Bonus von Emmi bleibt ohne Marktentlastung

Die Schweizer Molkerei Emmi hat im März und April Milchbauern einen Nicht-Lieferbonus von rund 9 Cent/kg Milch (10 Rappen pro Kilo) gezahlt, wenn sie weniger Milch als im Vorjahresmonat liefern. Emmi wollte damit weniger Milch annehmen und verarbeiten.
Wie die Bauernzeitung berichtet sank die Liefermenge der Emmi-Direktlieferanten um 300.000 kg. Gegenüber der Bauernzeitung zeigt sich Emmi zufrieden. 
Auf den Gesamtmarkt hatte der Lieferverzichts-Bonus aber nur eine kleine Auswirkung.

BBV: Politik ist in der Pflicht

Der Neumarkter Bauernverbands-Kreisobmann Martin Schmid äußert sich zu Forderungskatalog und Landwirtschaftsgipfel. 
„Das beschlossene Maßnahmenpaket geht auf den Landwirtschaftsgipfel bei Ministerpräsident Seehofer zurück, der vom Bayerischen Bauernverband initiiert wurde".
Die Marktpartner sollten Liefermengen und Preis, gegebenenfalls Preisdifferenzierung, vereinbaren, schreibt der BBV weiter. 
Als dritten Schritt sehe die Politik vor, sich in Brüssel für eine zeitlich befristete, EU-weite Mengenbegrenzung einzusetzen, wenn der zweite Schritt nicht greife. „Über diese Maßnahmen und Schritte bei der Milch gab es von allen teilnehmenden Verbänden des Landwirtschaftsgipfels keinen Widerspruch. Für Ministerpräsident Seehofer ist dies nun Leitlinie", betont Schmid.


Wir verbrennen Privatvermögen

Albrecht Siegel, Leiter des Landwirtschaftsamts: „Wenn im kommenden halben Jahr nichts passiert, gibt es eine Katastrophe." Als Grund der Misere machen auch die vor Ort Handelnden in der Milchwirtschaft den Wegfall der EU-Milchquote vor gut einem Jahr aus. Seither gibt es laut Siegel zwischen drei und fünf Prozent mehr Milch auf den deutschen Märkten. Und damit befänden sich die Landwirte in einer folgenschweren „Spirale". 
Auch Michael Welte, Geschäftsführer der genossenschaftlich organisierten Käserei Leupolz konstatiert: „Es macht es derzeit keinen Spaß. Da zahlt jeder drauf." Eben auch eine Käserei, deren Eigentümer letztlich die Milchproduzenten sind.
„Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder muss der Verbrauch um zehn Prozent hoch. Oder die Produktion muss um zehn Prozent runter."

Caffè Latte verliert das Schweizerkreuz

Erstmals verzichtet das Unternehmen nun auf die Bewerbung von Swissness, streicht das Kreuz aus seinem Logo. Die UHT-Milch wird extra nach Deutschland gekarrt und dort verarbeitet. Anschliessend wird das fertige Produkt zurück in die Schweiz gebracht. Der Milchverarbeiter hätte eine neue Maschine anschaffen müssen. «Wir beobachten erstmal, wie sich das Produkt entwickelt, ohne Investitionen in Millionenhöhe tätigen zu müssen», so Umiker zum Kreuz-Verzicht.
Wenn Emmi nun schon auf das Schweizer Kreuz verzichtet und in Deutschland produziert, warum nimmt man dann nicht gleich auch deutsche Milch? Eine Beruhigungspille für Schweizer Milchlieferanten, um sie nicht zum Schäumen zu bringen?

Wir wollen nicht als Bettler dastehen“

Vor wenigen Wochen gab es einen Milchgipfel in Berlin, kurz darauf einen in München und jetzt machen sich Landwirte vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter auch im Landkreis Haßberge auf, die Situation der Milchbauern mit Politikern zu diskutieren, aber vor allem auch in der Öffentlichkeit dafür zu werben, dass sie wegwollen vom „Bettler-Image". Sie wollen, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können, an der Preisbildung mitwirken können, berichten Landwirte bei einem Pressegespräch auf dem Hof von Martin Gleichmann in Friesenhausen. Das Podium für ihr Anliegen soll der „Milchbauernfrühschoppen" am Sonntag, 19. Juni, ab 10 Uhr im Festzelt in Friesenhausen sein. 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Bei jedem Liter drauf gezahlt

Als Landkreisvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) sieht Elisabeth Reis die Schuld vor allem bei der Politik: "Der Milchgipfel ist nur Schönrederei, wir wollen keine Geldspritzen, sondern einen fairen Preis für alle Bauern." Auch die Aufhebung der Produktionsquote war in ihren Worten eine "völlige Bruchlandung". Allerdings sei auch der Bauernverband Teil des Problems. "Der ist wie der Wolf im Schafspelz. Er vertritt nicht uns Milcherzeuger, sondern ist ein Industrieverband", meint die BDM-Vorsitzende Reis. So sei es bezeichnend gewesen, dass in Berlin zum Milchgipfel nur der Bauernverband und nicht der BDM mit am Tisch saß. Auch die Molkereien hätten ein anderes Interesse: Diese wollten ihre Fabriken mit einem möglichst billigen Rohstoff auslasten. "Wir sitzen eben nicht alle in einem Boot", formuliert es Fuchs.