Der Weltmarktpreis erreichte im Juli den tiefsten Stand seit sechs Jahren, teilte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Donnerstag mit. Vor sechs Jahren hatten die Milchbauern den schwersten Preiseinbruch der vergangenen Jahrzehnte erlebt.
Eine Sammlung von Infos und Links zum Thema Agrarpolitik abseits des Mainstream
Freitag, 7. August 2015
Donnerstag, 6. August 2015
SPD: Milchpreiskrise gefährdet bäuerliche Landwirtschaft
Die derzeitige Milchpreispolitik gefährdet die landwirtschaftlichen Betriebe in Ostfriesland und kann dazu führen, dass bald die Kühe von den Weiden verschwinden. Als Lösung schlägt der BDM ein „Milchmarkt-Krisenmanagement" vor, dessen Kern die so genannte Bonus-Malus-Regelung ist. „Das System trägt sich selbst, es entstehen praktisch keine Kosten. Das klingt für mich einleuchtend", sagte Paschke. Er wird sich in der SPD-Bundestagsfraktion und in einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsminisiter Christian Schmidt für das Bonus-Malus-System einsetzen.
AMI: Weiterhin zu hohes Rohstoffaufkommen am Milchmarkt
Trotz der mittlerweile deutlich reduzierten Milchpreise bewegt sich das Rohstoffaufkommen in der EU, wie auch in den übrigen wichtigen Exportregionen, anhaltend auf einem hohen Niveau. Dem steht weiterhin nur eine gedämpfte Nachfrage gegenüber. Die Folge ist ein zunehmender Angebotsüberhang, durch den die Preise am Milchmarkt auf allen Verarbeitungsebenen stark unter Druck stehen. Vor diesem Hintergrund dürften auch die Erzeugerpreise in den kommenden Monaten weiter rückläufige Tendenzen zeigen.
Frankreich: Doch keine 34 Cent Milchpreis
Savencia, vormals Bongrain, will den Bauern nicht garantieren, dass sie demnächst einen Milchpreis von 34 Cent bekommen. Damit folgt das Unternehmen dem Branchenprimus Lactalis, der Ähnliches seinen Lieferanten bereits schriftlich mitgeteilt hat. Inzwischen hat auch das französische Landwirtschaftsministerium die Sache relativiert – es sei vor allem darum gegangen, die Probleme der Bauern deutlicher in den Vordergrund zu stellen.
Video - Existenznot durch sinkende Milchpreise
Der Milchpreis ist in einem Jahr um rund 30 Prozent gefallen. Viele Bauern können nicht mehr kostendeckend produzieren und bangen um ihre Existenz.
Mittwoch, 5. August 2015
Kinast: Überproduktion nicht Schuld an den niedrigen Preisen
Die Bauernverbände schlagen Alarm, weil vier Monate nach dem Ende der Milchquote die Preise gesunken sind. Der Bundesverband Deutscher Milchviehalter fordert von Brüssel ein „Marktverantwortungsprogramm". Bei einer Überproduktion soll eingegriffen werden. Jürgen Kinast, einer der letzten Milchbauern in Bad Münder, hält von solch einem Interventionsprogramm nichts. Denn es sei keineswegs eine Überproduktion Schuld an den niedrigen Preisen. Die Milchmenge liegt nach dem Quotenende in der EU nur um 0,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Solche Phrasen, wie sie Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) verbreite, dass Bauern bald wieder Milch auf die Straße schütten, wie bei der letzten Krise 2009, könne niemand mehr hören, glaubt Kinast.
Ostfriesische Milchbauern demonstrieren mit 80 Treckern vor ALDI-Filiale
Etwa 150 ostfriesische Milchbauern haben am Abend des 4. August mit 80 Treckern vor der ALDI-Filiale in Hesel gegen die Rolle von Discountern, Molkereikonzernen und Politik beim ruinösen Verfall der Milchpreise demonstriert und dabei teilweise die Anlieferung von Ware behindert .Wie der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mitteilt, war aktueller Anlass dieser kurzfristig organisierten Aktion die erneute Senkung der Butterpreise durch ALDI. Auch einige Vertreter der Schweinehalter, deren Erzeugerpreise ebenfalls unter der von Ernährungskonzernen verfolgten Überproduktionsstrategie für den Weltmarkt litten, hätten sich dem Milchbauern-Protest angeschlossen. Dabei waren auch Vertreter von Lohnunternehmen und Tierärzten, die durch die dramatische Notlage der Bauern und den so verursachten Ausfall von Rechnungs-Forderungen mitbetroffen sind.
BDM-Sprecherin Karin Mansholt forderte Berufskollegen in anderen Regionen auf, jetzt durch ähnliche Aktionen auf ihre Notlage aufmerksam zu machen und von der Politik die rasche Umsetzung von mengenbegrenzenden Marktkrisen-Instrumenten zu verlangen. Diese Aktionen dienten auch der Vorbereitung der bundesweiten BDM-Sternfahrt, bei der sich Bauern ab dem 24.8. auf den Weg nach München machen würden, um am 1.9. bei einer Kundgebung auch von der CSU mengenbegrenzende und damit erzeugerpreiswirksamen Maßnahmen einzufordern. Am 7.9. folge dann eine Großaktion des europäischen Milchbauern-Zusammenschlusses (EMB) in Brüssel anlässlich der EU-Agrarministerkonferenz – zu dieser Aktion würden auch Verbände wie die AbL und die internationale Bauernorganisation „Via Campesina" aufrufen.
Der AbL-Landesvorsitzende Ottmar Ilchmann prangerte in Hesel alle Verantwortlichen für die dramatische Milcherzeuger-Krise gleichermaßen an: Bundesagrarminister Schmidt sei als Vertreter der Bundesregierung bisher nur durch hilflos-beschönigende Untätigkeit und agrarindustrie-orientierte Strategievorschläge aufgefallen. Die Exportmolkereien mit ihrer perspektivlosen Überschuss- und Weltmarktorientierungen reichten die durch sie mitverursachten Mindererlöse einfach an die von ihnen abhängigen Milcherzeuger weiter. Die Bauernverbandsspitze, die eng mit den Großmolkereien verfilzt sei, verhindere und blockiere bislang noch wirksame Proteste und bauernorientierte Maßnahmen. Der Lebensmittelhandel nutze die von den Molkereien gepushten Überschüsse für ihre Billig- und Dumping-Angebote aus. Die bisherigen Aktionen der Berufskollegen in Frankreich, Spanien und Portugal und erste Demonstrationen deutscher Milchbauern vor den Großmolkereien müssten jetzt als Weckruf und Impuls für viele weitere Bauernaktionen dienen.
Dienstag, 4. August 2015
Bauern im Bundestag gehören zu top-Verdienern
Johannes Röring (CDU, Einkünfte 2014: mind. 575.000 Euro / Gesamteinkünfte: mind. 862.000 Euro) und Hans-Georg von der Marwitz (CDU, Einkünfte 2014: mind. 433.000 Euro / Gesamteinkünfte: mind. 587.500 Euro), die zumindest auf dem Papier als Topverdiener dastehen. Allerdings handelt es sich bei den Beträgen um keine Gewinne, sondern um Bruttozuflüsse, von denen Freiberufler wie die Landwirte u.U. Mitarbeitergehälter oder Maschinen bezahlen müssen.
und
Milchpreis: Das Elend geht weiter
Peter Gerber, Geschäftsführer der Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft, hatte den Milchbauern schlechte Nachrichten mitgebracht. Nach Ansicht des Milchhändlers, an den die Bauern jetzt nach dem Weggang von Danone liefern, wird es frühestens ab Anfang Sommer 2016 besser. „Für einige Milchbetriebe wird es im kommenden Jahr wohl zu spät sein", ist sich Harald Elgeti (Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes) sicher.
Leopold Herz: 30 Cent sind zu wenig
Die Diskussion mit einigen Bauern aus Oberstaufen zeigte, dass die „Freiheit" nach dem Ende der Produktionsdeckelung durch die sogenannte Milchquote nicht für alle Milcherzeuger gleichermaßen gilt. Noch vor wenigen Wochen habe der Bundeslandwirtschaftsminister gemeint, er „verstehe die ganze Aufregung nicht". Leopold Herz (Freie Wähler) kann da nur den Kopf schütteln.
Aldi und Norma senken den Butterpreis
Die Supermarktketten Aldi Süd und Norma teilten am Montag mit, sie hätten den Preis für ein Päckchen Butter von 85 Cent auf 79 Cent gesenkt, also um sieben Prozent. Auch einige Käsesorten wurden bei beiden Ketten billiger.
Montag, 3. August 2015
Mehr Export gegen den Preisverfall
Die Milchpreise sind auf Talfahrt, der Bauernverband sieht viele Betriebe gefährdet. Agrarminister Schmidt sieht einen Ausweg in mehr Ausfuhren. Die Milchbauern forderte Schmidt auf, sich zu größeren Anbietergemeinschaften zusammenzuschließen, um eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Molkereien zu haben. Diese müssten mit dem Einzelhandel entsprechend höhere Preise vereinbaren. „Ich appelliere an den Handel: Preiskampf mit Waschpulver meinetwegen - aber Finger weg von Fleisch und Milch."
Billige Milch belastet die bergische Bauern
„Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht", sagt Stefan Hagen, Milchbauer in Lindlar, der im Bund Deutscher Milchviehhalter organisiert ist. Viele Bauern hatten auf die Aufhebung der Quoten mit großen Investitionen reagiert – hatten ihre Abläufe neu organisiert, größere Ställe gebaut, setzten somit vor allem auf die Produktion größerer Milchmengen. „Eigentlich wird viel zu viel produziert", betont Hagen.
Sonntag, 2. August 2015
Minister will deutsche Milch in den Iran verkaufen
Schmidt: Jeder Milcherzeuger hat jetzt die Freiheit, aber auch die Verantwortung zu entscheiden, wie viel Milch er erzeugt. Ziel sollte es im Interesse der Milchwirtschaft sein, nur so viel Milch zu produzieren, wie abgesetzt werden kann. Molkereien und Milcherzeuger haben ausreichende Gestaltungsmöglichkeiten, um die Bedingungen für die Rohmilchlieferung marktgerecht zu gestalten. Aber mit Blick auf den Export will natürlich keine Molkerei freiwillig Marktanteile aufgeben.
Samstag, 1. August 2015
Größte frz. Agrarzeitung berichtet über Solidaritätsaufruf von 4 Verbänden
Die vier Milcherzeugerorganisationen, zwei Französische, OPL und APLI und zwei deutsche, BDM und ABL erheben sich gegen die in der Presse dargestellten Spannungen zwischen den Milcherzeugern der beiden Länder.
Die vier Verbände, die Teil des European Milk Board (EMB) sind, weisen darauf hin, dass die Probleme auf jeder Seite der Grenze die Gleichen sind.
Sie verurteilen "jeden Versuch die Milchbauern gegeneinander aufzuhetzen, um die Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Problem abzulenken.
Schmidt sieht gute Zukunftschancen, weil die Weltbevölkerung wachse
Diese Feststellung traf Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt beim Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Festzelt. Schmidt bekannte sich zum Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Demonstrationen wie aktuell an der deutsch-französischen Grenze gingen nicht. Zum Ausgleich der Sanktionen mit Russland sei man auf der Suche nach anderen Abnahmeländern wie China, Iran und die arabischen Staaten. Wettbewerb gehe nicht über den Preis, sondern über Qualität. Er werde in Brüssel darüber sprechen, was zu tun sei, damit der Markt wieder ins Gleichgewicht komme. Eine Milchquotenregelung werde es nicht wieder geben, denn sie habe in der Vergangenheit nicht geholfen. Bei der Milch sah er allgemein gute Zukunftschancen, weil die Weltbevölkerung wachse.
Milchpreis-Misere quält Landwirte
Schuld an der Misere ist der extrem niedrige Milchpreis, der die Produktionskosten bei weitem nicht deckt. Draufzahlen würden die Landwirte schon seit mehreren Jahren, sagt Dieter Rempe, Milchboard-Regionalleiter im Landkreis Diepholz: „Ein Ende der Talfahrt ist noch nicht abzusehen!". „Kein Kilo Milch soll ohne Vertrag den Hof verlassen", fordert Rempe eine vertragsgebundene Milchvermarktung: „In den Verträgen müssen Menge, Preis, Qualität und Laufzeit verbindlich für alle geregelt werden. Damit wäre sowohl den Molkereien als auch den Milcherzeugern gedient, weil sie dann besser planen können."
Freitag, 31. Juli 2015
BDM beim Ministerpräsident Albig
Der Tag bleibt bunt für den Ministerpräsidenten: Vor der Tür trifft er auf eine kleine Kundgebung von Landwirten, die die Krise auf dem Milchmarkt umtreibt. „Die Lage ist wirklich dramatisch", sagt Christoph Lutze aus Hohenwestedt, stellvertretender Landesvorsitzender im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Albig hört zu, verweist auf eine rot-grüne Initiative zu Instrumenten gegen die Krise wie Mengenreduzierung und fragt sich: „Warum ist der Bund so starr?"
BIG-M: Bauernproteste mit Ansage
In Europa gehen immer mehr Bauern auf die Strasse. Sie kämpfen um das Überleben ihrer Betriebe. Es sind oft die offiziellen Bauernverbände, welche jetzt zu Demonstrationen aufrufen. Etwas peinlich ist ihre Begründung, dass der Importstopp Russlands für die Krise verantwortlich sei. Denn in Europa ist die Milchmenge um das dreifache dessen gestiegen, was früher nach Russland exportiert worden ist. Immerhin lenken sie mit ihrer Argumentation geschickt von der Tatsache ab, dass sie selber die ersatzlose Aufhebung der Milchquote befürwortet haben.
Copa und Cogeca will in Brüssel demonstrieren
Kommen Sie zu unserer Demonstration und erfahren Sie von den Präsidenten und Landwirten der nationalen Landwirtschaftsverbände aus ganz Europa, wie die harte Realität aussieht: Am 7. September um 14.00 Uhr vor dem Tagungsgebäude des EU-Agrarministerrates, 175 Rue de la Loi, B-1048 Brüssel
Milchbauern für höhere Preise - Deutsche sehen Handel in der Pflicht
Die Preise müssten dringend deutlich steigen: „Ansonsten werden zahlreiche Milchviehbetriebe in ihrer Existenz gefährdet", hieß es am Donnerstag vom deutschen Bauernverband. Dabei warf zuletzt der französische Bauernverband FDSEA vor allem den deutschen Konkurrenten vor, mit Lohndumping den Wettbewerb zu verzerren. Nötig seien zudem eine Exportoffensive sowie verbesserte Molkereistrukturen. Die Zusatzeinnahmen aus der sogenannten Milchquoten-Superabgabe der EU sollten genutzt werden zur Überbrückung der Liquiditätsengpässe, die vor allem im russischen Importembargo begründet liegen. In Österreich sah das zuletzt Agrarminister Andrä Rupprechter etwas anders. Er griff die Molkereien an - auch wenn es in Österreich wie auch in Deutschland eine konzertierte Handelsstruktur gebe. Sie würden sich gegenseitig unterbieten, anstatt neue Absatzmärkte zu erschließen.
Belgien: Milch für den Gully
Das haben Landwirte in Deutschland auch schon gemacht: Belgische Milchbauern lassen vor einer Molkerei in Bethanie Milch aus einem Tankfahrzeug ab. Sie protestieren damit gegen die auch in ihrem Land stark fallenden Preise für Milchprodukte. Dadurch sehen die Landwirte ihre Existenzgrundlage bedroht.
Frischkäse, Quark und Joghurt aus alter Molkerei
Nahezu 40 Jahre lag sie in einem Dornröschen-schlaf – die alte Molkerei in Rehden. Nun erweckt sie die Familie Johanning zu neuem Leben. Und die Nutzung, die sie anstrebt, kommt der ursprünglichen sehr nahe. Quark, Joghurt und Frischkäse sollen hier zum Beispiel produziert und angeboten werden. Aber auch Rohmilch steht auf der Verkaufsliste. Mittelfristiges Ziel sei es, die gesamte eigene Milchmenge zu verarbeiten. Derzeit wären das 3000 Liter pro Tag.
In ganz Belgien protestieren die Landwirte
Nach den französischen Bauern haben am Donnerstag auch die belgischen Landwirte protestiert. In Battice zwischen Aachen und Lüttich versammelten sich nach Angaben des „Grenz-Echo" Donnerstagmorgen 250 Traktoren, die einen Kreisverkehr blockierten. Später setzte sich der Tross Richtung Deutschland in Bewegung. Die Landwirte gossen vor einer Molkerei bei Eupen Tausende Liter Milch auf die Straße, anschließend wollten sie zu einem Billig-Supermarkt in Raeren-Eynatten nahe der Grenze zu Aachen weiterfahren. Die belgischen Landwirte forderten am Donnerstag in allen Sektoren eine flexible Mengenregulierung und mindestens zehn Cent mehr pro Liter Milch für die Milchbauern.
Donnerstag, 30. Juli 2015
Gegen den Trend: Bio-Milchpreis steigt auf 47,4 Cent/kg
Der Preis für konventionell erzeugte Milch kennt seit Monaten nur eine Richtung: nach unten. Der Bio-Milchpreis hält sich hingegen seit Anfang des Jahres konstant um die 47 Cent-Marke. Im Juni steigt der bundesweite durchschnittliche Bio-Milchpreis nach Angaben von Bioland um 0,1 auf 47,4 Cent. Die Spitzenpreise liegen bei 49 Cent.
Mit Superabgabe Kühe stilllegen
Nach Schätzungen müssen in diesem Jahr rund 800 Millionen Euro an solchen Abgaben an die EU abgeführt werden. "Mit diesem Geld sollte den aktiven Betrieben ein Anreiz gezahlt werden, ihre Milcherzeugung befristet um einige Prozent zu reduzieren", fordert der stellvertretende AbL-Vorsitzende. "Wir wissen, dass schon relativ kleine Mengenveränderungen große Auswirkungen auf den Preis haben. Jetzt kommt es darauf an, dass unsere Minister endlich entsprechend aktiv werden. Frankreichs Regierung hätten sie dabei schnell an ihrer Seite", ist sich der Milchbauer sicher.
EMB: Proteste in ganz Europa zeigen desolate Lage der Milcherzeuger
Nur eine Systemreform kann den Milchmarkt stabilisieren – halbseidene Lösungen können nichts verbessern und lenken vom eigentlichen Problem ab
(Brüssel, 30.07.2015) In ganz Europa flammen Proteste der Milcherzeuger auf. Ob in Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal oder Deutschland – überall zwingen extrem niedrige Milchpreise von zum Teil um die 25 Cent pro Liter die Produzenten auf die Straße. Ausgelöst wurde die unhaltbare Situation durch eine Milchpolitik, die auf Exportorientierung und Überproduktion setzt. Sieta van Keimpema, die Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), dazu: „Das aktuelle System, die aktuelle Politik sind gescheitert und zieht dabei die europäischen Milchproduzenten mit in den Abgrund."
Wer dieser verfehlten Politik der ungezügelten Mengenausweitung nur unausgegorene Konzepte entgegensetzt. wird die Misere jedoch nicht beheben können und nur kurzzeitig die Öffentlichkeit und die Erzeuger mit einer Scheinlösung täuschen. Zu diesen halbseidenen Vorschlägen zählen ein Anheben des Interventionspreises ohne eine gleichzeitige Mengenreduktion sowie fragwürdige Preisabsprachen und realitätsferne Exportstrategien.
Was ist das Problem?
Warum kann kein kostendeckender Preis am Markt erreicht werden, damit die Milcherzeuger überleben und auch noch in eine zukünftige Produktion investieren können? Die produzierte Menge am Markt übersteigt die Nachfrage. Und zu viel Menge drückt die Preise ins Bodenlose. „Das gilt für alle EU-Länder", so Sieta van Keimpema. „Einzelnen Ländern bzw. ihren Erzeugern die Schuld zuzuschieben, ist dabei falsch. Denn alle kämpfen mit dem gleichen Problem". Wer diese Beschuldigungsstrategie fährt, lenke nur vom eigentlichen Problem ab und zeige, wie wenig ihm wirklich an einer ernsthaften Lösung liegt.
Was ist die Lösung?
Wenn zu viel Menge den Preis kaputt macht, dann muss auch am EU-Produktionsvolumen angesetzt werden, um der europaweiten Existenzbedrohung der Milcherzeuger etwas entgegenzusetzen. Eine Reduktion der Menge in Krisenzeiten nimmt den Druck vom Markt und erlaubt höhere Preise.
Da Erzeuger nicht individuell ihre Produktion senken würden, muss dies solidarisch über ein Kriseninstrument wie das Marktverantwortungsprogramm (MVP) geschehen. Denn dann ist sichergestellt, dass die Reduktion fair auf die Erzeuger verteilt wird. Letztlich profitiert dann jeder Produzent von den damit erreichten angemessenen Preisen.
Was bringt nichts und lenkt nur vom eigentlichen Problem ab?
Den Preis künstlich zu stützen, würde nur die Produktion ankurbeln und die Lage verschlimmern. Daher sind Vorschläge wie die Anhebung des Interventionspreises ohne eine gleichzeitige Mengenreduktion, kontraproduktiv. Auch lediglich auf Exporte zu setzen, um die Überproduktion auf andere Märkte zu schwemmen, bringt nichts. Denn auch dort existiert bereits viel Milch und der damit verbundene internationale Preiskampf senkt die Preise für alle. Zusätzliche Überproduktion aus der EU verstärkt die Preisspirale nach unten noch zusätzlich. „Wenn sich das Problem nicht abschieben lässt, bleibt nur eines: Die EU muss ihre Hausaufgaben machen und das aktuelle System reformieren, so dass die Misere langfristig behoben wird", fasst Sieta van Keimpema die Forderungen des EMB zusammen.
Im Übrigen stellen auch solche einmaligen Aktionen wie aktuell in Frankreich, bei der eine Preiserhöhung von unter 30 Cent auf 34 Cent je Liter Milch am Markt vorbei vereinbart wurden, nur scheinbare Lösungen dar.
Nur wenn EU-Kommission, Rat und Parlament einen Krisenmechanismus installieren, bei dem die Menge im Fokus steht, kann eine Marktlage entstehen, die es erlaubt, den Produzenten faire Preise zu zahlen. Die für den 7. September einberufene Sondersitzung des EU-Agrarrates zur Milchpreiskrise muss hier schon wichtige Signale geben und langfristige Lösungen auf den Weg bringen.
Mehr zum Kriseninstrument für den Milchmarkt – dem Marktverantwortungsprogramm (MVP) – finden Sie hier:
www.europeanmilkboard.org/de/special-content/marktverantwortungsprogramm.html
(Brüssel, 30.07.2015) In ganz Europa flammen Proteste der Milcherzeuger auf. Ob in Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal oder Deutschland – überall zwingen extrem niedrige Milchpreise von zum Teil um die 25 Cent pro Liter die Produzenten auf die Straße. Ausgelöst wurde die unhaltbare Situation durch eine Milchpolitik, die auf Exportorientierung und Überproduktion setzt. Sieta van Keimpema, die Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), dazu: „Das aktuelle System, die aktuelle Politik sind gescheitert und zieht dabei die europäischen Milchproduzenten mit in den Abgrund."
Wer dieser verfehlten Politik der ungezügelten Mengenausweitung nur unausgegorene Konzepte entgegensetzt. wird die Misere jedoch nicht beheben können und nur kurzzeitig die Öffentlichkeit und die Erzeuger mit einer Scheinlösung täuschen. Zu diesen halbseidenen Vorschlägen zählen ein Anheben des Interventionspreises ohne eine gleichzeitige Mengenreduktion sowie fragwürdige Preisabsprachen und realitätsferne Exportstrategien.
Was ist das Problem?
Warum kann kein kostendeckender Preis am Markt erreicht werden, damit die Milcherzeuger überleben und auch noch in eine zukünftige Produktion investieren können? Die produzierte Menge am Markt übersteigt die Nachfrage. Und zu viel Menge drückt die Preise ins Bodenlose. „Das gilt für alle EU-Länder", so Sieta van Keimpema. „Einzelnen Ländern bzw. ihren Erzeugern die Schuld zuzuschieben, ist dabei falsch. Denn alle kämpfen mit dem gleichen Problem". Wer diese Beschuldigungsstrategie fährt, lenke nur vom eigentlichen Problem ab und zeige, wie wenig ihm wirklich an einer ernsthaften Lösung liegt.
Was ist die Lösung?
Wenn zu viel Menge den Preis kaputt macht, dann muss auch am EU-Produktionsvolumen angesetzt werden, um der europaweiten Existenzbedrohung der Milcherzeuger etwas entgegenzusetzen. Eine Reduktion der Menge in Krisenzeiten nimmt den Druck vom Markt und erlaubt höhere Preise.
Da Erzeuger nicht individuell ihre Produktion senken würden, muss dies solidarisch über ein Kriseninstrument wie das Marktverantwortungsprogramm (MVP) geschehen. Denn dann ist sichergestellt, dass die Reduktion fair auf die Erzeuger verteilt wird. Letztlich profitiert dann jeder Produzent von den damit erreichten angemessenen Preisen.
Was bringt nichts und lenkt nur vom eigentlichen Problem ab?
Den Preis künstlich zu stützen, würde nur die Produktion ankurbeln und die Lage verschlimmern. Daher sind Vorschläge wie die Anhebung des Interventionspreises ohne eine gleichzeitige Mengenreduktion, kontraproduktiv. Auch lediglich auf Exporte zu setzen, um die Überproduktion auf andere Märkte zu schwemmen, bringt nichts. Denn auch dort existiert bereits viel Milch und der damit verbundene internationale Preiskampf senkt die Preise für alle. Zusätzliche Überproduktion aus der EU verstärkt die Preisspirale nach unten noch zusätzlich. „Wenn sich das Problem nicht abschieben lässt, bleibt nur eines: Die EU muss ihre Hausaufgaben machen und das aktuelle System reformieren, so dass die Misere langfristig behoben wird", fasst Sieta van Keimpema die Forderungen des EMB zusammen.
Im Übrigen stellen auch solche einmaligen Aktionen wie aktuell in Frankreich, bei der eine Preiserhöhung von unter 30 Cent auf 34 Cent je Liter Milch am Markt vorbei vereinbart wurden, nur scheinbare Lösungen dar.
Nur wenn EU-Kommission, Rat und Parlament einen Krisenmechanismus installieren, bei dem die Menge im Fokus steht, kann eine Marktlage entstehen, die es erlaubt, den Produzenten faire Preise zu zahlen. Die für den 7. September einberufene Sondersitzung des EU-Agrarrates zur Milchpreiskrise muss hier schon wichtige Signale geben und langfristige Lösungen auf den Weg bringen.
Mehr zum Kriseninstrument für den Milchmarkt – dem Marktverantwortungsprogramm (MVP) – finden Sie hier:
www.europeanmilkboard.org/de/special-content/marktverantwortungsprogramm.html
Milchmarkt: Copa-Cogeca fordert Handeln der EU
Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Milch" von Copa-Cogeca, Mansel Raymond, sagte "Der Markt ist in einem sehr viel gefährlicheren Zustand als noch vor vier Wochen, da die Erzeugerpreise weit unterhalb der Produktionskosten liegen. Wir möchten, dass die EU-Kommission es den Mitgliedstaaten erlaubt, die Direktzahlungen vor dem 1. Dezember auszuzahlen. In einer Lage, in der die Milchbauern dringend liquide Mittel benötigen, werden rund 700 Millionen Euro aus dem Milchsektor abgezogen. Zudem muss der EU-Interventionspreis angehoben werden, um auf dem Markt eine Untergrenze zu schaffen. Ohne diese Maßnahmen werden wir in Zukunft keinen bestandsfähigen Milchsektor mehr haben."
Mittwoch, 29. Juli 2015
Niedriger Milchpreis: Nerven angespannt
Johann Schamberger traut seinen Augen nicht. Seiner Milchgeldabrechnung von der Molkerei Ehrmann (Oberschönegg/Allgäu) liegt eine Mitteilung der Landwirtschaftlichen Rentenbank bei. Darin wird auf „Liquiditätshilfen für Futterbaubetriebe" hingewiesen, wenn „durch niedrige Milchpreise und höhere Kosten" ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf bestehe. Der Milch-Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Günther Felßner, kann in der derzeitigen Milchpreis-Phase verstehen, dass der Hinweis auf die Rentenbank falsch verstanden werden kann. Eine Deckelung der Milchmenge sieht er nicht als Möglichkeit: „Es liegt kein Konzept vor, das langfristig funktioniert." Man dürfe in dieser Krisensituation nicht irgendein Modell aus Panik einführen, das „uns dann auf die Füße fällt". Er setzt auf die Unterstützung der Politik bei der Erschließung neuer Märkte.
Milchindustrie macht kaum Hoffnung: „Marktsituation ist im Moment eben schlecht“
Die belgische Vereinigung der Milchindustrie hat Forderungen nach einem höheren Milchpreis mit dem Hinweis auf die Marktumstände zurückgewiesen. „Die Marktsituation ist momentan eben schlecht. Aber das liegt an Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben", meinte Geschäftsführer Renaat Debergh. Dazu gehörten das Überangebot und die geringere Nachfrage, bedingt durch das Einfuhrverbot nach Russland und das niedrigere Wachstum in China.
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